{"id":172,"date":"2019-07-24T19:57:05","date_gmt":"2019-07-24T19:57:05","guid":{"rendered":"http:\/\/assoziation.info\/?p=172"},"modified":"2020-06-09T19:44:04","modified_gmt":"2020-06-09T19:44:04","slug":"klimakrise-reform-revolution","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/assoziation.info\/?p=172","title":{"rendered":"Klimakrise, Reform &#038; Revolution"},"content":{"rendered":"<p>Pl\u00f6tzlich ist der menschengemachte Klimawandel in aller Munde und hat einen bedeutenden Platz in der gesellschaftlichen Diskussion. Friedrich Merz kritisiert Merkel f\u00fcr verfehlten Klimaschutz, Markus S\u00f6der fordert einen schnelleren Ausstieg aus der Kohlef\u00f6rderung und selbst die Berliner AfD-Jugend stellt fest, dass der Klimawandel menschengemacht ist. H\u00e4tte irgend jemand noch zu Anfang diesen Jahres eine solche Entwicklung prognostiziert, er w\u00e4re f\u00fcr verr\u00fcckt erkl\u00e4rt worden. Vielmehr waren Depressionen bei allen vorprogrammiert, die sich ernsthaft mit dem Klimathema auseinandergesetzt hatten. Dabei sind die Fakten, um die nun vollkommen zurecht endlich Aufsehen gemacht wird, alles andere als neu. Seit Jahren pocht der Mainstream der Wissenschaft darauf, dass alle Vorhersagen zum Klimawandel, die es seit Jahrzehnten gibt, richtig sind und einzig das Manko haben, dass alles viel schneller geht als bef\u00fcrchtet bzw. prognostiziert.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Nehmen wir Deutschland. Der Sonderbericht des Weltklimarates aus dem Herbst 2018 interessierte trotz des gerade erst zu Ende gehenden Hitzesommers eigentlich niemanden. Vollkommen unmissverst\u00e4ndlich hie\u00df es in dem Bericht, dass \u201eschnelle, weitreichende und beispiellose \u00c4nderungen in allen gesellschaftlichen Bereichen\u201c notwendig seien, wenn das Ziel, die Erderw\u00e4rmung auf 1,5 Grad zu begrenzen noch erf\u00fcllt werden solle. Dass selbst bei Erreichen dieses Ziels die Folgen dramatisch sein k\u00f6nnten &#8211; niemanden schien es zu interessieren. Dass Deutschland die eigens in Paris unterschriebenen Klimaziele nicht einhielt \u2013 allgemeines Schweigen in den \u00f6ffentlichen Medien. Schlimmer noch: Die Bundesregierung hatte eigens eine Kohlekommission berufen, um einen Konsens \u00fcber einen zuk\u00fcnftigen Ausstieg zu erlangen. Trotz aller Warnungen und Dramatik der vorangegangenen Jahre verk\u00fcndete diese im Januar 2019 (!!!) einen Kohleausstieg f\u00fcr das Jahr 2038 (!!!). Und alle, wirklich alle bis auf ein paar kleine Umweltverb\u00e4nde waren zufrieden. Von Altmaier \u00fcber die Partei der Gr\u00fcnen und Greenpeace bis hin zur Zukunftswerkstatt Erneuerbare Energien \u2013 Friede Freude Eierkuchen! \u00dcberall wurde die Zumutbarkeit f\u00fcr die deutsche Industrie gelobt und die Versorgungssicherheit betont, w\u00e4hrend von CO2-Aussto\u00df und verfehlten Klimazielen bestenfalls in Fu\u00dfnoten die Rede war. Lieber diskutierte man munter weiter \u00fcber Leitkultur und Islam, Merkel und AKK, das F\u00fcr- und Wider von Indianerkost\u00fcmen an Karneval und andere b\u00fcrgerliche Nichtigkeiten.<\/p>\n<p>Und nun? Klimaschutz und \u00f6kologische Nachhaltigkeit sind nur wenige Monate sp\u00e4ter so sehr von Interesse, dass, wie eingangs angef\u00fchrt, selbst Hinterw\u00e4ldler und Reaktion\u00e4re anfangen umzudenken. Dieser Umschwung kam weder durch Zufall noch von ungef\u00e4hr, sondern ist einzig und allein das Ergebnis des Engagements einer neuen Generation von jungen Aktivisten und vor allem Aktivistinnen, die unvorhergesehen die politische B\u00fchne betritt. Allen voran nat\u00fcrlich die Schulstreikbewegung &#8218;Fridays for Future&#8216; (F4F oder FFF). Eine progressive Graswurzelbewegung wie aus dem Bilderbuch: Spontan, jung und transnational vernetzt. Zu den internationalen Streiktagen wurden bereits weit \u00fcber eine Million TeilnehmerInnen gez\u00e4hlt, allein in Deutschland mehrere Hunderttausend. Ganze 40.000 Aktivistinnen und Aktivisten aus mehreren Staaten hatten sich zum Schuljahresende gemeinsam in Aachen versammelt. Gab es jemals gr\u00f6\u00dfere Sch\u00fclerproteste? Kaum. Deshalb kann es zun\u00e4chst einmal nur hei\u00dfen: Chapeau, Gl\u00fcckwunsch und vor allem: weiter so!<\/p>\n<p>Zugegeben. Auf ein Lob aus der radikalen Linken kann FFF ganz gut verzichten. Da gibt es ja weit einflussreichere Gratulanten: Merkel, Obama, den Papst&#8230; Doch gerade diese Ovationen m\u00f6chten wir zum Anlass nehmen auch ein paar kritische Worte zu verlieren und darauf hinzuweisen, dass die \u00f6kologische Frage radikal zugespitzt werden muss. Radikal im w\u00f6rtlichsten Sinne des Wortes, also laut Duden \u201evon Grund aus\u201c bzw. \u201emit Stumpf und Stiel\u201c.<\/p>\n<p>Aber der Reihe nach. Die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler lassen sich so schnell nicht f\u00fcr bl\u00f6d verkaufen und haben selbst erkannt, dass sie in den letzten Monaten zwar viel Anerkennung und Lob bekommen haben, sich aber praktisch rein gar nichts ge\u00e4ndert hat. Aber warum ist dem so? Wenn doch eigentlich mittlerweile den vermeintlich entscheidenden Personen in der Politik l\u00e4ngst klar ist, wie brenzlig es ist, warum wird dann nicht viel mehr getan?<\/p>\n<p>Die Antwort auf diese Frage ist so traurig wie folgenschwer. Dem Wesen der Sache nach geht es in unserer Gesellschaft nicht darum, wer welche guten Vors\u00e4tze und welches Bewusstsein hat sondern darum, aus Geld mehr Geld zu machen. Dies ist keine Frage moralischer Abw\u00e4gungen, vielmehr gilt dieser gnadenlose Mechanismus im Rahmen dieser auf Markt und Konkurrenz basierten Gesellschaft f\u00fcr alle und ist innerhalb dieser Schranken auch rational. Es handelt sich dabei gerade nicht um ein paar Ausw\u00fcchse bei den Banken oder an der B\u00f6rse. Jeder Kapitalist wird durch die Konkurrenz gezwungen bei Strafe des eigenen Untergangs in diesem Spiel mitzumischen. Und somit gilt von vorneherein und \u00fcberall: Nichts wird nur produziert, damit die Menschen ein sch\u00f6neres Leben haben und erst recht nicht, damit sie nachhaltiger mit der Natur im Einklang stehen. Innerhalb dieser Gesellschaft ist es das Ziel aller Produktion und Reproduktion, maximalen Profit zu erzielen. Der (m\u00f6glichst reibungslose) Stoffwechsel zwischen Mensch und Natur, mit dem sich jede Gesellschaft auseinanderzusetzen hat, ist im Kapitalismus also von vorn herein dem Diktum des maximalen Profits unterworfen. Damit der Laden l\u00e4uft, muss immer mehr, immer schneller, immer billiger usw. produziert werden. Wie sich dieses Gesetz der Plusmacherei hinter dem R\u00fccken der Produzenten und auch unabh\u00e4ngig von ihrem Willen und ihrer Moral durchsetzt, haben wir in verst\u00e4ndlicher Sprache in unserem Buch \u201e<a href=\"https:\/\/www.bod.de\/buchshop\/goodbye-kapital-christian-hofmann-9783732286539\">Goodbye Kapital<\/a>\u201c beschrieben (kostenlose Ausz\u00fcge zum Lesen gibt es <a href=\"http:\/\/assoziation.info\/?p=108\">hier<\/a> und wem diese nicht reichen, der wende sich bitte per E-Mail an uns).<\/p>\n<p>In einigen radikaleren Parolen, die man auf Fridays for Future Veranstaltungen zu sehen und zu h\u00f6ren bekam, war und ist grunds\u00e4tzliche Systemkritik durchaus enthalten. Am deutlichsten in dem oft zitierten Slogan \u201eSystem Change Not Climate Change\u201c. Auch in den Argumentationen von Greta Thunberg, der Inspiratorin und Ikone der Bewegung, kommt dieser Gedanke durchaus vor. So sagte sie bereits beim Klimagipfel 2018 in Katowice sehr treffend: \u201eSie reden nur deswegen vom ewigen Wirtschaftswachstum, weil Sie Angst haben, unpopul\u00e4r zu sein. Sie sprechen immer nur davon weiterzumachen, mit denselben schlechten Ideen, die uns in diese Misere gebracht haben.\u201c Und noch weit deutlicher: \u201eWenn es unm\u00f6glich ist, L\u00f6sungen im bestehenden System zu finden, sollten wir das System an sich \u00e4ndern. Wir sind nicht hierhergekommen, um vor Weltpolitikern darum zu betteln\u201c. (Vgl.: <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/klimaaktivistin-greta-thunberg-15-mein-appell-an-die-welt\/23779892.html\"><u>Tagesspiegel<\/u><\/a>)<\/p>\n<p>Letzterem ist eigentlich nichts hinzuzuf\u00fcgen. Die Fragestellung die sich daraus ergibt ist aber f\u00fcr den Kampf ums Klima sehr weitreichend. Schlie\u00dflich impliziert es die Frage, ob es sich \u00fcberhaupt lohnt, innerhalb dieser Gesellschaft f\u00fcr eine andere Klimapolitik einzutreten. Denn solange man mit Klimaschutz nicht massenhaft Geld verdienen kann \u2013 und noch deutet sich da nicht allzu viel an \u2013 kann jeder kleine Erfolg nur ein Teilerfolg sein und d\u00fcrfte auf kurz oder lang dem Profitstreben wieder geopfert werden. Ob nun direkt, weil Beschl\u00fcsse im Zuge von wirtschaftlichen Rezessionen oder gar Krisen r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht oder gekippt werden, oder indirekt, weil das Profitstreben die Klimaschutzziele selbst bei klimafreundlichen Ma\u00dfnahmen und Alternativen ad absurdum f\u00fchrt, wie bei der E-Mobilit\u00e4t. Denn alle, teils berechtigte, teils unberechtigte Detailkritik am E-Auto einmal beiseite gelassen, bleibt das gr\u00f6\u00dfte Problem dies: E-Autos werden, nat\u00fcrlich entgegen allen Aussagen in der Werbung, nicht produziert, um das Klima zu sch\u00fctzen, sondern um Geld damit zu verdienen. Um m\u00f6glichst viel Geld damit zu verdienen, werden sie m\u00f6glichst gro\u00df, schnell und m\u00f6glichst leistungsstark produziert. F\u00fcr den Klimaschutz br\u00e4uchten wir aber schlankere, schlichte, kleine Modelle. Soweit es diese gibt, werden sie \u2013 den Subventionen sei Dank \u2013 dann allerdings so g\u00fcnstig vermarktet, dass man sie sich als Zweitwagen hinstellen kann, obwohl man fr\u00fcher nur ein Auto hatte\u2026 Und genau diese, innerhalb dieser Gesellschaft logischen, Primate der Produktion stehen im prinzipiellen Gegensatz nicht nur zu allen Klimaschutz- sondern letztlich Naturschutzzielen \u00fcberhaupt!<\/p>\n<p>Zu Ende gedacht w\u00fcrde dies daf\u00fcr sprechen, dem Klima- oder generell Umweltschutz nur sekund\u00e4re Bedeutung zuzumessen und sich vor allem f\u00fcr eine Revolution im Sinne einer Umw\u00e4lzung zu engagieren, an deren Ende Profit und Kapital \u00fcberholt w\u00e4ren. Es bleibt aber traurige Wahrheit, dass eine solche Umw\u00e4lzung heute nicht gerade zum Greifen nahe ist, um es mal vorsichtig auszudr\u00fccken. Und was viel schwerer wiegt sind die nackten und immer wieder erschreckenden Tatsachen bez\u00fcglich der bevorstehenden \u00f6kologischen Katastrophe mit all ihren Folgen. Jedes weitere Jahr, das derzeit verstreicht, f\u00fchrt zu neuen, oft irreversiblen Sch\u00e4den in der Natur, die vor allem die jungen und k\u00fcnftigen Generationen werden ausbaden m\u00fcssen. Das Zeitfenster zum Handeln ist sehr eng geworden!<\/p>\n<p>Was also tun? Gegen Realpolitik scheint die Tatsache zu sprechen, dass jegliche Reformen innerhalb dieser Gesellschaft der Profitmaximierung untergeordnet werden, sich hinter dem R\u00fccken der Beteiligten durchsetzen, und (\u00f6kologische) Nachhaltigkeit letztlich nur ein Kampf gegen Windm\u00fchlen sein kann. Gegen eine Fokussierung auf eine revolution\u00e4re Umw\u00e4lzung spricht der dr\u00e4ngende Zeitfaktor in einer Situation, in der diese Perspektive in weiter Ferne liegt.<\/p>\n<p>Eine kluge Idee wie sich dieses Dilemma aufl\u00f6sen l\u00e4sst findet sich in der Dissertationsschrift von Kohei Saito (Natur gegen Kapital, 2016). Saito zieht eine interessante Parallele zum Kampf f\u00fcr den 8-Stundentag, der f\u00fcr sich genommen ebenfalls wenig revolution\u00e4r war oder ist. Trotzdem wurde dieser Kampf auch von Karl Marx, dem sowohl analytisch brillantesten, als auch revolution\u00e4rstem Kapitalismuskritiker, stets nicht nur bef\u00fcrwortet sondern leidenschaftlich unterst\u00fctzt. \u201eMan verfehlt Marx` sozialistische Strategie wenn man annimmt, er w\u00fcrde die Gesetzgebung zum Normalarbeitstag als eine sozialdemokratische oder reformistische Strategie ablehnen. [\u2026] Die Verk\u00fcrzung des Arbeitstags und die technische Ausbildung allein schaffen selbstverst\u00e4ndlich nicht die kapitalistische Produktionsweise ab, aber sie bieten dennoch eine notwendige Grundlage f\u00fcr weitere K\u00e4mpfe gegen das Kapital [\u2026]\u201c (Saito 2016, S. 144ff.).<\/p>\n<p>Die &#8222;notwendige Grundlage f\u00fcr weitere K\u00e4mpfe gegen das Kapital&#8220; ist hier der Clou. Ebenso wie der Kampf zur Beschr\u00e4nkung der Arbeitszeit m\u00fcssen an der \u00f6kologischen Front Teilerfolge erzielt werden, um \u00fcberhaupt noch Luft zum Atmen (in diesem Fall recht w\u00f6rtlich zu sehen) und zum Weiterk\u00e4mpfen zu haben. Wann auch immer es gelingen sollte, diese Gesellschaftsordnung in einer Umw\u00e4lzung zu \u00fcberwinden, wird es sehr entscheidend sein, in welchem Zustand sich das \u00d6kosystem dann befindet. Eines der ersten und gr\u00f6\u00dften Planziele f\u00fcr eine neue Gesellschaft, welche nicht mehr auf dem Kapitalverh\u00e4ltnis beruhte w\u00fcrde, w\u00e4re vermutlich, begangene Sch\u00e4den wieder gutzumachen. Aber wie gro\u00df und verheerend diese Sch\u00e4den dann sein werden und welche von ihnen \u00fcberhaupt umkehrbar sind, d\u00fcrfte in dieser Situation \u00e4u\u00dferst entscheidend sein.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst einmal haben wir es aber leider noch mit der auf Markt und Konkurrenz beruhenden Gesellschaft zu tun. Und die Analogie zum erk\u00e4mpften 8-Stundentag sollte man hier mit allen ihren Folgen sehr ernst nehmen. Nat\u00fcrlich war die Erk\u00e4mpfung des 8-Stundentages ein gro\u00dfer Fortschritt. Trotzdem f\u00fchrt das Primat der Profitmaximierung dazu, ihn von allen Seiten auszuh\u00f6hlen. So wird etwa die Arbeit innerhalb der 8-Stunden immer dichter, intensiver und damit ersch\u00f6pfender. Letzteres \u00dcbel vor allem auch durch das 3 Schichtsystem, welches es dem Kapital erm\u00f6glicht auch beim 8-Stundentag 24 Stunden zu produzieren. Es werden \u00dcberstunden angeordnet und \u00fcberall Ausnahmeregelungen durchgesetzt. Selbst in Deutschland, welches in Sachen Arbeitsschutz noch einen recht guten Ruf haben d\u00fcrfte, sind in Ausnahmef\u00e4llen bis zu 60 (!!!) Arbeitsstunden pro Woche m\u00f6glich. Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer. Der Kampf um den 8-Stundentag war und ist nicht nur zu begr\u00fc\u00dfen, sondern eine absolute Notwendigkeit. <em>Trotzdem reicht er nicht aus<\/em>. Erstens weil die auf Konkurrenz und Profit basierende Gesellschaft ihn permanent von allen Seiten aush\u00f6hlt und zweitens, weil die objektiven Bedingungen f\u00fcr eine Gesellschaft, in der man noch weit weniger arbeiten m\u00fcsste und nachhaltigen Wohlstand f\u00fcr alle h\u00e4tte, l\u00e4ngst herangereift sind. Der Kampf f\u00fcr Arbeitszeitverk\u00fcrzungen m\u00fcsste deshalb immer sowohl als sofortige Verbesserung der Lage als auch als Teilst\u00fcck des Kampfes um das gro\u00dfe Ganze \u2013 eine Gesellschaft, in der freie Zeit der wahre Reichtum w\u00e4re \u2013 gef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Und genau diesen Gedanken sollten wir auf die K\u00e4mpfe f\u00fcr den Klima- und Umweltschutz \u00fcbertragen. Sofortma\u00dfnahmen sind mehr als notwenig, ohne sie geht es gar nicht. Von daher ist es nat\u00fcrlich richtig und wichtig, wenn jetzt Ziele, wie etwa R\u00fcckkehr zum Klimaschutzabkommen von Paris oder f\u00fcr Deutschland ein schnellerer Kohleausstieg erhoben werden. Es ist auch verst\u00e4ndlich, dass diese zun\u00e4chst an die Politik gestellt werden, an wen auch sonst. Es ist nur genauso wichtig sich bewusst zu machen, dass <em>dies nicht ausreicht<\/em>. Alle hehren Ziele m\u00fcssen nicht nur erk\u00e4mpft, sondern auch verteidigt werden. \u00dcberall lauert Gefahr, dass sie auf der Suche nach Profit und Extraprofit unterlaufen und ausgeh\u00f6hlt werden. Man denke an das Kippen der Klimaschutzziele von Paris, bei den einen lautstark polternd, bei den anderen subtil faktisch. Man denke an das Hin-und-Her beim deutschen Atomausstieg. Man denke daran, dass Merkel bereits vor \u00fcber 10 Jahren einmal als Klimakanzlerin gehandelt wurde und schon 2007 (!!!) einmal zusammen mit ihrem Eisb\u00e4ren Gabriel vor einem schmelzendem Gletscher in Gr\u00f6nland posierte. Man denke an die immer nur z\u00f6gerliche, zaghafte und inkonsequente Umsetzung von Umweltschutzma\u00dfnahmen, obwohl die dramatischen Folgen seit Jahrzehnten bekannt sind. Dies gilt selbst, wenn Parteien an der Macht waren oder sind, die sich den Umweltschutz auf ihre Fahnen geschrieben haben. Die Gr\u00fcnen in Deutschland mussten in ihrer Geschichte sehr schnell lernen, was es im Zweifelsfall hei\u00dft, diese Gesellschaft (mit) zu regieren. Man denke an die Rot-Gr\u00fcn-Regierung von 1998 bis 2005, man denke an Diesel-Kretschmann in Baden-W\u00fcrttemberg. Viel Hoffnung sollte man hier also nicht haben.<\/p>\n<p>Diese Erscheinungen liegen aber &#8211; wie beschrieben &#8211; eben nicht (nur) daran, dass betreffende PolitikerInnen inkonsequent, inkompetent oder moralisch korrumpiert sind. Innerhalb dieser Gesellschaft sind PolitikerInnen auch Repr\u00e4sentanten dieser Gesellschaft und damit in letzter Instanz auch Repr\u00e4sentanten der Tatsache, dass diese Gesellschaft auf dem Streben nach dem n\u00e4chsten Geldgewinn beruht. Aber genau dieses Gewinnstreben steht einem nachhaltigen und rationalem Umgang mit den endlichen Ressourcen der Natur diametral entgegen. Wirtschafts- und Konjunkturzyklen sind kurz und der ihnen inh\u00e4rente Drang zur ma\u00dflosen Ausbeutung der Natur gnadenlos. Das \u00d6kosystem h\u00e4lt dem nicht mehr lange stand. Ein Kampf f\u00fcr Klima- und Umweltschutz sollte deshalb immer auch Ausgangspunkt sein, die Gesellschaftsform zu \u00fcberwinden, deren notwendige Bedingung diese gnadenlose Ausbeutung von Natur und Mensch ist.<\/p>\n<p>chris<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Pl\u00f6tzlich ist der menschengemachte Klimawandel in aller Munde und hat einen bedeutenden Platz in der gesellschaftlichen Diskussion. Friedrich Merz kritisiert Merkel f\u00fcr verfehlten Klimaschutz, Markus S\u00f6der fordert einen schnelleren Ausstieg aus der Kohlef\u00f6rderung und selbst die Berliner AfD-Jugend stellt fest, dass der Klimawandel menschengemacht ist. 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