{"id":81,"date":"2011-07-04T15:22:04","date_gmt":"2011-07-04T15:22:04","guid":{"rendered":"http:\/\/test.assoziation.info\/?p=81"},"modified":"2020-02-22T12:40:25","modified_gmt":"2020-02-22T12:40:25","slug":"weg-mit-dem-geld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/assoziation.info\/?p=81","title":{"rendered":"Weg mit dem Geld!"},"content":{"rendered":"\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Zusammenhang mit der Krise des Geldmarktes 2007\/2008 und der Staatsschuldenkrisen in Europa und den USA hat sich im offiziellen deutschen Bl\u00e4tterwald eine Diskussion \u00fcber die Zukunft `unseres Geldes\u00b4 entwickelt, die im wesentlichen in zwei Richtungen geht. Einmal wird einer inflation\u00e4ren Geldentwertung das Wort geredet und die M\u00f6glichkeit der R\u00fcckkehr des Goldes als dem eigentlichen Geld diskutiert. Dar\u00fcber hinaus wird wegen der Staatsschuldenkrise in Griechenland und anderen s\u00fcdeurop\u00e4ischen Eurostaaten die Zukunft des Euros in Frage gestellt. Wobei hier in Deutschland zwei Szenarien debattiert werden: Zum einen die R\u00fcckkehr zur `guten alten\u00b4 D-Mark und zum anderen die M\u00f6glichkeit eines sogenannten `Kern-Euros\u00b4 ohne die s\u00fcdeurop\u00e4ischen Nationen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dollar oder Gold, Euro oder D-Mark \u2013 diese Debatte innerhalb der b\u00fcrgerlichen Kreise um verschiedene nationale oder \u00fcbernationale Formen des Geldes, wirft auf der anderen Seite die Frage nach dem Wesen des Geldes auf und inwiefern es \u00fcberhaupt notwendig ist oder abgeschafft werden kann und muss.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&nbsp;<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p><!--more--><\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h2 class=\"wp-block-heading\">I. Was ist Geld?<\/h2>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft ist die Produktion Warenproduktion, Produktion selbst\u00e4ndiger Privatproduzenten f\u00fcr den Markt. Die Bestimmung des Produkts im Tauschwert bringt es also notwendig mit sich, dass der Tauschwert eine vom Produkt getrennte, losgel\u00f6ste Existenz erh\u00e4lt. Der von den Waren selbst losgel\u00f6ste und selbst als eine Ware neben ihnen, existierende Tauschwert ist \u2013 <em>Geld<\/em>. Alle Eigenschaften der Ware als Tauschwert erscheinen als ein von ihr verschiedener Gegenstand, eine von ihrer nat\u00fcrlichen Existenzform losgel\u00f6ste soziale Existenzform im Geld.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die wechselseitige und allseitige Abh\u00e4ngigkeit der gegeneinander gleichg\u00fcltigen Individuen bildet ihren gesellschaftlichen Zusammenhang. Dieser gesellschaftliche Zusammenhang ist ausgedr\u00fcckt im <em>Tauschwert<\/em>, worin f\u00fcr jedes Individuum seine eigne T\u00e4tigkeit oder sein Produkt erst eine T\u00e4tigkeit und ein Produkt f\u00fcr es wird; es muss ein allgemeines Produkt produzieren \u2013 den Tauschwert oder, diesen f\u00fcr sich isoliert, individualisiert, <em>Geld<\/em>. Andererseits die Macht, die jedes Individuum \u00fcber die T\u00e4tigkeit der anderen oder \u00fcber die gesellschaftlichen Reicht\u00fcmer aus\u00fcbt, besteht in ihm als dem Eigner von <em>Tauschwerten<\/em>, von <em>Geld<\/em>. Es tr\u00e4gt seine gesellschaftliche Macht, wie seinen Zusammenhang mit der Gesellschaft in der Tasche mit sich.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Geld repr\u00e4sentiert den allgemeinen gesellschaftlichen Zusammenhang. Es ist das Medium indem sich die gesellschaftlichen Beziehungen der gegeneinander gleichg\u00fcltigen Individuen manifestieren. Das Geld ist die Arbeitszeit als allgemeiner Gegenstand oder die Vergegenst\u00e4ndlichung der allgemeinen Arbeitszeit, die Arbeitszeit als <em>allgemeine Ware<\/em>.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die elementare Voraussetzung der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft ist, dass die Arbeit unmittelbar den Tauschwert produziert, also Geld; und dass dann ebenso Geld unmittelbar die Arbeit kauft, den Arbeiter daher nur, sofern er selbst seine T\u00e4tigkeit im Austausch ver\u00e4ussert. <em>Lohnarbeit<\/em> nach der ersten Seite, <em>Kapital<\/em> nach der zweiten sind also nur andere Formen des entwickelten Tauschwerts und des Geldes als seiner Inkarnation.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Geld ist damit unmittelbar zugleich das <em>reale Gemeinwesen<\/em>, insofern es die allgemeine Substanz des Bestehens f\u00fcr alle ist und zugleich das gemeinschaftliche Produkt aller. Alle wesentlichen Beziehungen der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft sind Geldbeziehungen. Auf ihnen beruht der ganze gesellschaftliche, auf dem Kapitalverh\u00e4ltnis beruhende, Produktions- und Reproduktionsprozess.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h2 class=\"wp-block-heading\">II. Die Notwendigkeit der doppelten Darstellung des Wertes<\/h2>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">a) Ware und Geld<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das einfache Faktum, dass die Ware doppelt existiert, einmal als bestimmtes Produkt, das seinen Tauschwert in seiner gesellschaftlichen Daseinsform ideell enth\u00e4lt (latent enth\u00e4lt), und dann als manifestierter Tauschwert (<em>Geld<\/em>), der wieder allen Zusammenhang mit der gesellschaftlichen Daseinsform des Produkts abgestreift hat, diese doppelte <em>verschiedene<\/em> Existenz muss zum <em>Unterschied<\/em>, der Unterschied zum <em>Gegensatz<\/em> und <em>Widerspruch<\/em> fortgehen. Derselbe Widerspruch zwischen der besonderen Natur der Ware als Produkt und ihrer allgemeinen Natur als Tauschwert, der die Notwendigkeit erzeugte, sie doppelt zu setzen, einmal als diese bestimmte Ware, das andere Mal als Geld, der Widerspruch zwischen ihren besonderen Eigenschaften als Produkt und ihren allgemeinen gesellschaftlichen Eigenschaften enth\u00e4lt von vornherein die M\u00f6glichkeit, dass diese beiden getrennten Existenzformen der Ware nicht gegeneinander konvertibel sind.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der \u00dcbergang aus dem einfachen Tauschwert und seiner Zirkulation in das Kapital kann auch so ausgedr\u00fcckt werden: In der Zirkulation erscheint der Tauschwert doppelt: einmal als Ware, das andere Mal als Geld. Wenn er in der einen Bestimmung ist, ist er nicht in der anderen. Dies gilt f\u00fcr jede besondere Ware. Aber das Ganze der Zirkulation an sich betrachtet liegt darin, dass derselbe Tauschwert, der Tauschwert als Subjekt, sich einmal als Ware, das andere Mal als Geld setzt und eben die Bewegung ist, sich in dieser doppelten Bestimmung zu setzen und sich in jeder derselben als ihr Gegenteil, in der Ware als Geld und im Geld als Ware zu erhalten. Dies, was an sich in der einfachen Zirkulation vorhanden ist, ist aber nicht an ihr gesetzt. Der als Einheit von Ware und Geld gesetzte Tauschwert ist das <em>Kapital<\/em>, und dies Setzen selbst erscheint als die Zirkulation des Kapitals.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">b) Das Realisationsproblem<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Sch\u00f6pfung von <em>absolutem<\/em> Mehrwert durch das Kapital \u2013 mehr vergegenst\u00e4ndlichte Arbeit \u2013 hat zur Bedingung, dass sich der Zirkel der Zirkulation erweitert, und zwar best\u00e4ndig erweitert. Der an einem Punkt geschaffene <em>Mehrwert<\/em> erheischt die Sch\u00f6pfung des Mehrwerts an einem <em>anderen<\/em> Punkt, gegen den er sich austausche; wenn auch nur zun\u00e4chst Produktion von mehr Gold und Silber, mehr Geld, so dass, wenn der Mehrwert nicht unmittelbar wieder zu Kapital werden kann, er in der Form des Geldes als M\u00f6glichkeit von neuem Kapital existiert. Eine Bedingung der auf dem Kapital basierten Produktion ist daher die <em>Produktion eines stets erweiterten Zirkels der Zirkulation<\/em>, sei es, dass der Kreis direkt erweitert wird <em>oder dass mehr Punkte in demselben als Produktionspunkte <\/em>(Punkte an denen Kapital produziert wird<em>) geschaffen werden<\/em>.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Andererseits, die Produktion von relativem Surpluswert, die auf Vermehrung und Entwicklung der Produktivkr\u00e4fte gegr\u00fcndete Produktion von Surpluswert, erheischt Produktion neuer Konsumtion; dass sich der konsumtive Zirkel innerhalb der Zirkulation ebenso erweitert wie vorhin der produktive Zirkel.<br \/><strong>Erstens<\/strong>: Quantitative Erweiterung der bestehenden Konsumtion;<br \/><strong>zweitens<\/strong>: Schaffen neuer Bed\u00fcrfnisse dadurch, dass vorhandene in einem gr\u00f6\u00dferen Kreis propagiert werden;<br \/><strong>drittens<\/strong>: Produktion neuer\u00a0<em>Bed\u00fcrfnisse <\/em>und Entdeckung und Sch\u00f6pfung neuer Gebrauchswerte.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier zeigt sich, dass das Kapital im allgemeinen nur existieren kann als Kapital der Viele. Das einen Neuwert, Mehrwert, setzende Kapital kann sich bei \u00c4quivalententausch, Austausch von Wert gegen Wert, nur realisieren, wenn als Gegenpol ein anderes Kapital (oder andere Kapitale) existiert. Nur so kann auf dem Boden des Wertgesetzes, Ausgleich gleicher Werte, \u00c4quivalente, der geschaffene Neuwert realisiert werden.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Kapital im allgemeinen <em>im Unterschied<\/em> von den besonderen reellen Kapitalien ist selbst eine <em>reelle<\/em> Existenz. Es ist dies von der gew\u00f6hnlichen \u00d6konomie anerkannt, wenn auch nicht <em>verstanden<\/em>; und bildet ein sehr wichtiges Moment f\u00fcr ihre Lehre von den Ausgleichungen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Kapital in dieser <em>allgemeinen Form<\/em>, obgleich einzelnen Kapitalisten geh\u00f6rig, in seiner <em>elementarischen Form<\/em> als Kapital, das sich in den Banken akkumuliert oder durch sie distribuiert wird und sich so verteilt im Verh\u00e4ltnis zu den Bed\u00fcrfnissen der Produktion.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es bildet ebenso durch Anleihen einen Ausgleich zwischen den verschiedenen Nationen. Ist es daher ein Gesetz des Kapitals im allgemeinen, dass, um sich zu verwerten, es sich doppelt setzen muss und sich in dieser doppelten Form doppelt verwerten muss, so wird das Kapital einer besonderen Nation, die im Gegensatz zu einer anderen <em>par excellence<\/em> Kapital repr\u00e4sentiert, sich ausleihen m\u00fcssen an eine dritte Nation, um sich verwerten zu k\u00f6nnen. Das Doppeltsetzen, sich auf sich selbst als fremdes beziehen, wird in diesem Fall verdammt real.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Also etwa Deutschland hat nicht <em>\u00fcberproduzier<\/em>t, sondern Griechenland hat <em>unterproduziert<\/em>. H\u00e4tte Griechenland<br \/>1. Kapital genug, um das deutsche Kapital zu ersetzen, was nach\u00a0 Griechenland in der Form von Waren exportiert worden ist;<br \/>2. dies sein Kapital so angelegt, dass es die eigent\u00fcmlichen Artikel produzierte, welche das deutsche Kapital bedarf, teils um sich selbst, teils die aus ihm flie\u00dfende Revenue zu ersetzen, so f\u00e4nde keine \u00dcberproduktion statt.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Also existierte nicht das Faktum der wirklichen \u2013 mit Relation auf die <em>wirkliche<\/em> Produktion in Griechenland \u2013 existierenden <em>\u00dcberproduktion<\/em> in Deutschland, sondern nur das Faktum der <em>imagin\u00e4ren<\/em> <em>Unterproduktion in Griechenland<\/em>, imagin\u00e4r, weil sie ein Kapital dort voraussetzt und eine Entwicklung der Produktivkraft, die dort nicht existiert, und weil sie zweitens die gleiche utopische Voraussetzung macht, dass dies <em>nicht<\/em> existierende Kapital gerade so verwandt worden ist, wie es n\u00f6tig w\u00e4re, damit deutsches Angebot und griechische Nachfrage, ihre jeweilige Produktion sich gegenseitig erg\u00e4nzten.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Ausgleichung, gegenseitige Erg\u00e4nzung, wird \u00fcber den Kredit vermittelt. Der Kredit spielt hier zwischen Nationen eine \u00e4hnliche Rolle, wie bei der Ausgleichung der Profitraten zwischen den Produktionssph\u00e4ren innerhalb einer Nation. Das ganze <em>Kreditwesen<\/em>, und der damit zusammenh\u00e4ngende \u00dcberhandel, \u00dcberspekulation. beruht auf der Notwendigkeit, die Schranke der Zirkulation und der Austauschsph\u00e4re zu erweitern und \u00fcberspringen. Kolossaler, klassischer erscheint dies im Verh\u00e4ltnis von Nationen als im Verh\u00e4ltnis von Individuen. So etwa die entwickeltere Nation gezwungen, fremden Nationen zu <em>leihen<\/em>, um sie zu ihren K\u00e4ufern zu haben. Im Grunde tauscht der Kapitalist der entwickelteren Nation mit dem produktiven Kapital seiner Nation doppelt aus:<br \/>1 als er selbst,<br \/>2. als Grieche oder unter welcher anderen Form er sein Geld placiert hat.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So waren etwa die auf Kredit finanzierten `\u00fcppigen\u00b4 griechischen Renten solange gut genug, als sie Warenkapital aus Deutschland, welches sich in Griechenland um trieb, realisierten.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h2 class=\"wp-block-heading\">III. Geld und Kapital oder die Selbstbewegung des Werts<\/h2>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bekanntlich geht es in der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft nicht einfach nur um `unser\u00b4 Geld, sondern vielmehr um Geld als Kapital, um Geld als sich verwertender Wert. Dass das Geld die erste Form ist, worin der Tauschwert zu der Bestimmung des Kapitals fortgeht, und dass daher die erste <em>Erscheinungsform<\/em> des Kapitals mit dem Kapital selbst verwechselt wird oder als die einzig ad\u00e4quate Form desselben betrachtet wird, ist eine historische Tatsache, die, so weit entfernt unsrer Entwicklung zu widersprechen, sie vielmehr best\u00e4tigt. Die erste Bestimmung des Kapitals ist die: dass der aus der Zirkulation herstammende und sie daher voraussetzende Tauschwert sich in ihr und durch sie erh\u00e4lt; sich nicht verliert, indem er in sie eingeht; sie nicht als die Bewegung seines Verschwindens, sondern vielmehr als die Bewegung seines wirklichen Sichsetzens als Tauschwert, die Realisierung seiner als Tauschwerts ist.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im <em>Kapital<\/em> erst ist der Tauschwert als Tauschwert gesetzt, dadurch, dass er sich in der Zirkulation erh\u00e4lt, also weder substanzlos wird, sondern sich in stets anderen Substanzen, einer Totalit\u00e4t derselben verwirklicht; noch seine Formbestimmung verliert, sondern in jeder der verschiednen Substanzen seine Identit\u00e4t mit sich selbst erh\u00e4lt. Er bleibt also immer Geld und immer Ware. Er ist in jedem Moment beides der in der Zirkulation das eine in das andere verschwindenden Momente. Er ist dies aber nur, indem er selbst ein stets sich erneuernder Kreislauf von Austauschen ist.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Unverg\u00e4nglichkeit, die das Geld erstrebte, indem es sich negativ gegen die Zirkulation setzte, sich ihr entzog, erreicht das Kapital, indem es sich gerade dadurch erh\u00e4lt, dass es sich der Zirkulation preisgibt. Das Kapital als der der Zirkulation vorausgesetzte oder die Zirkulation voraussetzende und sich in ihr erhaltende Tauschwert ist nicht nur in jedem Moment in vorgestellter Weise jedes der beiden in der einfachen Zirkulation enthaltenen <em>Momente<\/em>, sondern es nimmt abwechselnd die Form des einen und des anderen an, aber nicht mehr so, dass es wie in der einfachen Zirkulation nur aus dem einen in das andere \u00fcbergeht, sondern in jeder der Bestimmungen zugleich Beziehung auf die entgegengesetzte ist, sie ideell in sich enth\u00e4lt. Das Kapital wird abwechselnd Ware und Geld; aber<br \/>1. <em>ist es selbst der Wechsel dieser beiden Bestimmungen<\/em>;<br \/>2. es wird Ware; aber nicht diese oder jene Ware, sondern eine <em>Totalit\u00e4t<\/em> <em>von Waren<\/em>.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das <em>Geld<\/em>, soweit es jetzt schon <em>an sich<\/em> als Kapital existiert, ist daher einfach <em>Anweisung auf zuk\u00fcnftige<\/em> (neue) Arbeit. Gegenst\u00e4ndlich existiert es nur als <em>Geld<\/em>. Der Surpluswert, der Zuwachs der <em>vergegenst\u00e4ndlichten<\/em> <em>Arbeit<\/em>, soweit er f\u00fcr sich existiert, ist <em>Geld<\/em>; aber das Geld ist jetzt <em>an sich<\/em> schon Kapital; als solches <em>Anweisung auf neue Arbeit<\/em>. Hier tritt das Kapital schon nicht mehr nur in Verh\u00e4ltnis zur vorhandenen Arbeit; sondern zu zuk\u00fcnftiger. Es erscheint auch nicht mehr aufgel\u00f6st in seine einfachen Elemente im Produktionsprozess, sondern in das als Geld; aber nicht mehr als Geld, das bloss die abstrakte Form des allgemeinen Reichtums, sondern Anweisung auf die reale M\u00f6glichkeit des allgemeinen Reichtums \u2013 das Arbeitsverm\u00f6gen, und zwar das <em>werdende Arbeitsverm\u00f6gen<\/em> ist. Als solche Anweisung ist seine materielle Existenz als Geld gleichg\u00fcltig und kann durch jeden Titel ersetzt werden. So gut wie der Staatsgl\u00e4ubiger besitzt jeder Kapitalist in seinem neuerworbnen Wert Anweisung auf zuk\u00fcnftige Arbeit und hat sich durch die Aneignung der gegenw\u00e4rtigen zugleich schon die zuk\u00fcnftige angeeignet.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seine Aufh\u00e4ufung in der Form des Geldes ist keineswegs daher materielle Aufh\u00e4ufung der materiellen Bedingungen der Arbeit. Sondern Aufh\u00e4ufung der Eigentumstitel auf Arbeit. Setzen zuk\u00fcnftiger Arbeit als <em>Lohnarbeit<\/em>, als Gebrauchswert des Kapitals. F\u00fcr den neugeschaffenen Wert kein <em>\u00c4quivalent<\/em> vorhanden; seine M\u00f6glichkeit nur in neuer Arbeit. Das spekulative Moment liegt schon im Begriff des Kapitals selbst, da dies Setzen zuk\u00fcnftiger Arbeit nur der M\u00f6glichkeit nach existiert. Dieses Moment ist keine spezifische Eigenschaft des Geldkapitals, zinstragenden Kapitals im Unterschied zum produktiven Kapital, sondern ein Moment des Begriffs des Kapitals und tritt nur in einer seiner Erscheinungsformen deutlicher zu Tage als in der anderen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den Anweisungen und Eigentumstiteln auf zuk\u00fcnftige Arbeit ist schon die Tendenz des Werts angelegt, sich unabh\u00e4ngig und gegens\u00e4tzlich zur Produktion, also auch zur Produktion seiner selbst, zu verhalten und zu bewegen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Anweisungen und Eigentumstitel auf zuk\u00fcnftige Arbeit entwickeln sich, mit der auf dem Kapitalverh\u00e4ltnis gegr\u00fcndeten Produktionsweise, gesetzm\u00e4ssig aus den Bewegungsformen des Kapitals. Sie bilden in ihrer Gesamtheit den Geldmarkt. Auf dem Geldmarkt ist das Kapital selbst Ware, dessen Preis (Zins) durch Angebot und Nachfrage reguliert wird. Der Geldmarkt reguliert nicht nur die Verteilung des gesellschaftlichen Kapitals auf die einzelnen Produktionssph\u00e4ren; hier reguliert sich auch was Unternehmen, Banken und selbst die Staaten selbst Wert sind. Auf dem Geldmarkt wird alles zur Ware und damit der Bewegung des Werts, dem Wertgesetz unterworfen, dass die Verteilung der gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit als Zwangsgesetz reguliert.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<h2 class=\"wp-block-heading\">IV. Arbeitszeit und Geld<\/h2>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Satz von Adam Smith, dass der Arbeiter neben seiner besonderen Ware eine allgemeine Ware produzieren muss, in anderen Worten, dass er einem Teil seiner Produkte die Form des Geldes geben muss, \u00fcberhaupt seiner Ware, soweit sie nicht als Gebrauchswert f\u00fcr ihn, sondern als Tauschwert dienen soll \u2013 heisst, subjektiv ausgedr\u00fcckt, weiter nichts, als dass seine besondere Arbeitszeit nicht unmittelbar gegen jede andere besondere Arbeitszeit ausgetauscht werden kann, sondern dass diese ihre allgemeine Austauschbarkeit erst vermittelt werden, dass sie eine gegenst\u00e4ndliche, von ihr selbst verschiedene Form annehmen muss, um diese allgemeine Austauschbarkeit zu erlangen.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Arbeit des einzelnen, im Akt der Produktion selbst betrachtet, ist das Geld, womit er unmittelbar das Produkt, den Gegenstand seiner besonderen T\u00e4tigkeit, kauft; aber es ist ein besonderes Geld, das eben nur dies bestimmte Produkt kauft. Um unmittelbar das allgemeine Geld zu sein, m\u00fcsste sie von vornherein nicht besondere Arbeit, sondern allgemeine sein; von vornherein als Glied der allgemeinen Produktion gesetzt sein. In dieser Voraussetzung aber w\u00fcrde nicht erst der Austausch ihr den allgemeinen Charakter geben, sondern ihr vorausgesetzter gemeinschaftlicher Charakter w\u00fcrde die Teilnahme an den Produkten bestimmen. Der gemeinschaftliche Charakter der Produktion w\u00fcrde von vornherein das Produkt zu einem gemeinschaftlichen, allgemeinen machen. Der urspr\u00fcnglich in der Produktion stattfindende Austausch \u2013 der kein Austausch von Tauschwerten w\u00e4re, sondern von T\u00e4tigkeiten, die durch gemeinschaftliche Bed\u00fcrfnisse bestimmt w\u00e4ren, durch gemeinschaftliche Zwecke \u2013 w\u00fcrde von vornherein die Teilnahme des einzelnen an der gemeinschaftlichen Produktenwelt einschlie\u00dfen. Auf der Grundlage der Tauschwerte wird die Arbeit erst durch den Austausch als allgemein gesetzt. Auf dieser Grundlage w\u00e4re sie als solche gesetzt vor dem Austausch; der Austausch der Produkte w\u00e4re \u00fcberhaupt nicht das Medium, wodurch die Teilnahme des einzelnen an der allgemeinen Produktion vermittelt w\u00fcrde. Vermittlung muss nat\u00fcrlich stattfinden.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im ersteren Fall, der von der selbst\u00e4ndigen Produktion der einzelnen ausgeht \u2013 sosehr diese selbst\u00e4ndigen Produktionen durch ihre Beziehungen zueinander sich im Nachhinein bestimmen, modifizieren \u2013, findet die Vermittlung statt durch den Austausch der Waren, den Tauschwert, das Geld, die alle Ausdr\u00fccke eines und desselben Verh\u00e4ltnisses sind. Im zweiten Fall ist die Voraussetzung selbst vermittelt; eine gemeinschaftliche Produktion, die Gemeinschaftlichkeit als Grundlage der Produktion, ist vorausgesetzt. Die Arbeit des einzelnen ist von vornherein als gesellschaftliche Arbeit gesetzt. Welches daher auch immer die besondere materielle Gestalt des Produkts sei, das er schafft oder schaffen hilft, was er mit seiner Arbeit gekauft hat, ist nicht ein bestimmtes besonderes Produkt, sondern ein bestimmter Anteil an der gemeinschaftlichen Produktion. Er hat darum auch kein besonderes Produkt auszutauschen. Sein Produkt ist kein Tauschwert. Das Produkt hat nicht erst in eine besondere Form umgesetzt zu werden, um einen allgemeinen Charakter f\u00fcr den einzelnen zu erhalten.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Statt einer Teilung der Arbeit, die in dem Austausch von Tauschwerten sich notwendig erzeugt, f\u00e4nde eine Organisation der Arbeit statt, die den Anteil des einzelnen an der gemeinschaftlichen Konsumtion zur Folge hat. In dem ersten Fall wird der gesellschaftliche Charakter der Produktion erst durch die Erhebung der Produkte zu Tauschwerten und den Tausch dieser Tauschwerte im Nachhinein gesetzt. Im zweiten Fall ist der gesellschaftliche Charakter der Produktion vorausgesetzt, und die Teilnahme an der Produktenwelt, an der Konsumtion, ist nicht durch den Austausch voneinander unabh\u00e4ngiger Arbeiten oder Arbeitsprodukte vermittelt. Er ist vermittelt durch die gesellschaftlichen Produktionsbedingungen, innerhalb deren das Individuum t\u00e4tig ist.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Arbeit des einzelnen also unmittelbar zum Geld machen wollen (auch sein Produkt), zum realisierten Tauschwert, heisst, sie unmittelbar als allgemeine Arbeit bestimmen, eben die Bedingungen negieren, unter denen sie zu Geld und Tauschwerten gemacht werden muss und vom Privataustausch abh\u00e4ngt. Die Forderung kann bloss befriedigt werden unter Bedingungen, worin sie nicht mehr gestellt werden kann. Die Arbeit auf Grundlage der Tauschwerte setzt eben voraus, dass weder die Arbeit des einzelnen noch sein Produkt unmittelbar allgemein ist; dass es diese Form erst durch eine gegenst\u00e4ndliche Vermittlung erlangt, durch ein von ihm verschiedenes Geld.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gemeinschaftliche Produktion vorausgesetzt, bleibt die Zeitbestimmung nat\u00fcrlich wesentlich. <em>\u00d6konomie der Zeit<\/em>, darin l\u00f6st sich schlie\u00dflich alle \u00d6konomie auf. Ebenso mu\u00df die Gesellschaft ihre Zeit zweckm\u00e4\u00dfig einteilen, um eine ihren Gesamtbed\u00fcrfnissen gem\u00e4\u00dfe Produktion zu erzielen; wie der einzelne seine Zeit richtig einteilen muss, um sich Kenntnisse in angemessenen Proportionen zu erwerben oder um den verschiedenen Anforderungen an seine T\u00e4tigkeit Gen\u00fcge zu leisten. \u00d6konomie der Zeit sowohl wie <em>planm\u00e4\u00dfige Verteilung der Arbeitszeit<\/em> auf die verschiedenen Zweige der Produktion bleibt also erstes \u00f6konomisches Gesetz auf Grundlage der gemeinschaftlichen Produktion. Es wird sogar in viel h\u00f6herem Grade Gesetz.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies ist jedoch wesentlich verschieden vom Messen der Tauschwerte (Arbeiten oder Arbeitsprodukte) durch die Arbeitszeit. Hier wird die Arbeitszeit durch das Geld gemessen und erst im Austausch mit dem Geld erweisst es sich, ob und in welchen Umfang die privat geleistete Arbeitszeit gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit repr\u00e4sentiert.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei gesellschaftlicher Produktion ist vorausgesetzt in welcher durchschnittlichen Arbeitszeit ein Produkt hergestellt werden kann und muss. Die entwickelten Wert- und Preisbestimmungen schaffen die M\u00f6glichkeit dazu. Das Geld in seiner Funktion als Rechengeld in den Preislisten gibt die Grundlage f\u00fcr solche Berechnungen. Die geleistete Arbeitszeit, abz\u00fcglich der f\u00fcr die gesellschaftlichen Fonds, bestimmt dann den Anteil des Individuums am Konsumtionsvorrat der Gesellschaft.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist Grundlage der kapitalistischen Produktion, dass das Geld als selbst\u00e4ndige Form des Werts der Ware gegen\u00fcbertritt oder dass der Tauschwert selbst\u00e4ndige Form im Geld erhalten muss, und dies ist nur m\u00f6glich, indem eine bestimmte Ware das Material wird, in deren Wert sich alle anderen Waren messen, dass sie eben dadurch die allgemeine Ware, die Ware par excellence im Gegensatz zu allen anderen Waren wird. Dies muss sich in doppelter Hinsicht zeigen, und namentlich bei kapitalistisch entwickelten Nationen, die das Geld in grossem Ma\u00df ersetzen, einerseits durch Kredit-Operationen, andrerseits durch Kreditgeld. In Zeiten der Klemme, wo der Kredit einschrumpft oder ganz aufh\u00f6rt, tritt pl\u00f6tzlich Geld als einziges Zahlungsmittel und wahres Dasein des Werts absolut den Waren gegen\u00fcber. Daher die allgemeine Entwertung der Waren, die Schwierigkeit, ja die Unm\u00f6glichkeit, sie in Geld zu verwandeln.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Solange die Produktion fl\u00fcssig, wird dies vergessen. Der Kredit, als ebenfalls gesellschaftliche Form des Reichtums, verdr\u00e4ngt das Geld und usurpiert seine Stelle. Es ist das Vertrauen in den gesellschaftlichen Charakter der Produktion, welches die Geldform der Produkte als etwas nur Verschwindendes und Ideales, als blosse Vorstellung erscheinen l\u00e4sst. Aber sobald der Kredit ersch\u00fcttert wird &#8211; und diese Phase tritt immer notwendig ein im Zyklus der modernen Industrie -, soll nun aller reale Reichtum wirklich und pl\u00f6tzlich in Geld verwandelt werden.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geldkrise ist ein Moment der allgemeinen Produktions-und Handelskrisen der auf dem Kapitalverh\u00e4ltnis beruhenden Produktionsweise.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier tritt dann zutage, dass der ganze gesellschaftliche Produktions- und Repoduktionsprozess eingefangen ist im Wert und dem Geld als der Inkarnation der gesellschaftlich Arbeit, dem Geld als die Arbeitszeit als allgemeine Ware. Das der gesellschaftliche Charakter der Produktion nicht vorausgesetzt ist, sondern sich erst im nachhinein einstellt oder auch nicht. Im letzteren Fall ist dann Krise.<\/p>\r\n\r\n\r\n\r\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Deshalb geht es nicht um diese oder jene Form des Geldes, wo die eine angeblich besser sein soll als die andere, sondern um seine Abschaffung durch die direkte Arbeitszeitmesseung auf Boden gemeinsamer Produktion nach Plan.<\/p>\r\n<p>klaus<\/p>\r\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Im Zusammenhang mit der Krise des Geldmarktes 2007\/2008 und der Staatsschuldenkrisen in Europa und den USA hat sich im offiziellen deutschen Bl\u00e4tterwald eine Diskussion \u00fcber die Zukunft `unseres Geldes\u00b4 entwickelt, die im wesentlichen in zwei Richtungen geht. 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