Die materialistische Lehre, daß die Menschen Produkte der Umstände und der Erziehung, veränderte Menschen also Produkte anderer Umstände und geänderter Erziehung sind, vergißt, daß die Umstände eben von den Menschen verändert werden und daß der Erzieher selbst erzogen werden muß. Sie kommt daher mit Notwendigkeit dahin, die Gesellschaft in zwei Teile zu sondern, von denen der eine über der Gesellschaft erhaben ist.
Das Zusammenfallen des Änderns der Umstände und der menschlichen Tätigkeit kann nur als umwälzende Praxis gefaßt und rationell verstanden werden.

Vom Marktversagen

Kommentar zum FAZ Artikel „Wie der Staat die Pharma-Industrie regulieren sollte“1)https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/coronavirus/coronavirus-wie-der-staat-die-pharma-industrie-regulieren-sollte-16674635.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2 (leider inzwischen kostenpflichtig)

„Wie der Staat die Pharma-Industrie regulieren sollte“ – dass die FAZ staatliche Regulierung fordert, ist schon selten. Und dann auch noch Regulierung der Wirtschaft, des ‚freien Marktes‘. Man kann sich im Geiste schon den Widerspruch in einer der nächsten Ausgaben ausmalen: Dort werden dann wieder die Dogmen von der unsichtbaren Hand hervorgekramt. Die Parolen vom Markt und den darauf agierenden Unternehmen, die alles zum Besten regeln, wenn sie nur ungestört ihrem Profitdrang nachgeben dürften. Profit führe zu Gemeinwohl. Von ‚Antikapitalismus‘ wollen die Autoren zwar nichts wissen, warnen gleichwohl vor einem ‚reflexhaften‘ zitieren bekannter Adam Smith Passagen. Sie rechnen also auch mit dieser Antwort auf ihren Artikel. Aber zurück zum Inhalt: Hier wird eine Intervention des Staates mit dem Ziel einer pharmazeutische Grundsicherung gefordert. Nicht nur aufgrund der aktuellen Coronaepedemie. Fehlende und zu teure Medikamente sowie vernachlässigte Antibiotikaforschung steht auch auf der Liste der Versäumnisse. Soweit nichts Neues.

Die Autoren zitieren aus dem ‚British Medical Journal‘, das sich als kapitalkritisch erweist:
>>„Ist es an der Zeit, die Pharmaindustrie zu verstaatlichen?“, fragt das „British Medical Journal“ in seiner aktuellen Ausgabe und lässt im Pro und Contra durchblicken, dass die Party so ungetrübt nicht weiterlaufen kann. Marktversagen wird immer öfter konstatiert.<<

Ebenso Bill Gates;
>>Industrie und Regierungen müssten zusammen einen Impfstoff entwickeln und auch gemeinsam dafür sorgen, dass der Impfstoff schnellstmöglich bei allen ankommt. Auch bei denen, die nichts dafür zahlen können: „Während einer Pandemie dürfen Vakzinen [Impfstoffe] und antivirale Medikamente nicht einfach an den Höchstbietenden gehen.“<<

Es liegt ja auch auf der Hand: Wenn es nur um Profit geht, wird nur entwickelt, was Profit bringt. Und der hängt maßgeblich auch davon ab, ob es eine zahlungskräftige Nachfrage nach den entwickelten Produkten gibt. Vorsorge für eventuell in der Zukunft eintretende Pandemien ist dagegen ein Abzug am heutigen Profit.

>>Vorsorge ist ein lausiges Geschäftsmodell, wenn es um steigende Margen und Aktienkurse geht. Warum etwas ändern oder sich in die Pflicht nehmen lassen, wenn es gut läuft? Und es läuft prächtig<< schreiben die Autoren. >>Besonders schwer an ihrem Bein klebt hier die Antibiotika-Krise. Seit Jahren werden keine neuen Antibiotika mehr produziert oder entwickelt, und die Arzneimittelindustrie macht keinen Hehl daraus, dass ihr die Gewinnmargen zu dünn sind, um ihre Haltung zu ändern.<<

Ergänzen müsste man noch, dass es für konkurrierende Pharmaunternehmen schwierig sein wird, jetzt gemeinsam mit ‚den Regierungen‘ zusammenzuarbeiten, um einen Impfstoff zu entwickeln. Geschäftsgeheimnisse z.B. wird man sicher nicht teilen wollen. Auch nicht im Sinne einer beschleunigten Impfstoffentwicklung „um die Freiheit des öffentlichen und privaten Lebens zu schützen“.

Wie in der Klimakrise zeigen sich in den angedeuteten Problemen des Gesundheitssystems die Schwächen einer auf Konkurrenz und Profit gegründeten Wirtschaft. Der Pflegenotstand wurde dabei noch nicht einmal erwähnt (was vielleicht auch auf die Interessen der Autoren schließen lässt). Nach der Hilfe des Staates zu rufen ist dann naheliegend, sobald man die ideologischen Scheuklappen des freien Marktes abgelegt hat. Ausreichend ist es nicht. Dass die Staatsintervention durch G7 und G20 beim Thema Antibiotika schon erfolglos war, steht übrigens auch in dem Artikel. Wie Corona ausgeht, ist noch ungewiss. Sicher ist aber jetzt schon, dass das Privateigentum an den Pharmakonzernen nicht hilfreich ist sondern hinderlich. Die beschriebenen Probleme können nur durch eine konsequent an den Bedürfnissen der Menschen ausgerichteten Wirtschaftsweise überwunden werden. Profit kann dabei keine Rolle spielen.

Philip

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assoziation.info März '20