Die materialistische Lehre, daß die Menschen Produkte der Umstände und der Erziehung, veränderte Menschen also Produkte anderer Umstände und geänderter Erziehung sind, vergißt, daß die Umstände eben von den Menschen verändert werden und daß der Erzieher selbst erzogen werden muß. Sie kommt daher mit Notwendigkeit dahin, die Gesellschaft in zwei Teile zu sondern, von denen der eine über der Gesellschaft erhaben ist.
Das Zusammenfallen des Änderns der Umstände und der menschlichen Tätigkeit kann nur als umwälzende Praxis gefaßt und rationell verstanden werden.

Kapital kann kein Klima

Die Profitinteressen der Mächtigen verhindern den dringend benötigten sozialökologischen Fortschritt. Die Suche nach Konsens und Kompromiss ist deshalb vergebens. Ein anderes Arbeiten, Bauen und Wohnen, andere Formen von Mobilität müssten stattdessen die entscheidenden Fragen der politischen Auseinandersetzung werden – und zwar gegen die kapitalistischen Profitinteressen. Auch die sozialen Verwerfungen des Kapitalismus sind nicht mehr zu ertragen und können nicht von der ökologischen Frage getrennt werden.

Statt des Schulterschlusses mit den Regierenden sollte die junge Umweltbewegung deshalb das Bündnis mit den Lohnabhängigen suchen – Öko als Klassenkampf! http://www.kapital-kann-kein-klima.de



Communistische Arbeitszeitrechnung

Zur Überwindung des Systems von Profit, Lohnarbeit und Geld, kurz des Kapitalismus, ist es notwendig, auch seine ökonomische Basis – die Warenproduktion – zu überwinden.

Jede menschliche Gesellschaft muss Produkte zur Befriedigung der Bedürfnisse ihrer Mitglieder herstellen – Nahrung, Kleidung, ein Dach über dem Kopf, Kultur usw. Dafür muss sie außerdem auch die Produktionsmittel, also Werkzeuge, Maschinen und andere Arbeitsmittel produzieren, die wiederum Voraussetzung für so gut wie alle Arbeitsprozesse sind. In unserer heutigen Gesellschaft werden alle diese Produkte für den Verkauf, für den Austausch auf dem Markt produziert. Sie werden nicht unmittelbar zur Befriedigung der Bedürfnisse der Mitglieder dieser Gesellschaft(en) hergestellt, sondern sind zunächst in privatem Besitz und müssen ausgetauscht werden. Erst dann können sie konsumiert werden. Dadurch werden die Produkte zu Waren mit einem Wert. Dieser ist keine Natureigenschaft der produzierten Güter, sondern liegt in dieser gesellschaftlichen Verfasstheit der Produktion. Aber: Die Menschen könnten die Dinge auch einfach als nützliche Gebrauchsgüter zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse herstellen – „ohne Dazwischenkunft des vielberühmten ‚Werts’“, wie Friedrich Engels bemerkte. Dazu bedarf es allerdings einiger gesellschaftlicher Veränderungen.

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Rosa Luxemburg: Zur russischen Revolution

Sozialistische Demokratie beginnt aber nicht erst im gelobten Lande, wenn der Unterbau der sozialistischen Wirtschaft geschaffen ist, als fertiges Weihnachtsgeschenk für das brave Volk, das inzwischen treu die Handvoll sozialistischer Diktatoren unterstützt hat. Sozialistische Demokratie beginnt zugleich mit dem Abbau der Klassenherrschaft und dem Aufbau des Sozialismus. Rosa Luxemburg

Im März 1871 – vor genau 150 Jahren – wurde Rosa Luxemburg in Polen geboren. Da wir uns ohnehin vorgenommen hatten, im Zusammenhang mit unseren Vorstellungen von communistischer Arbeitszeitrechnung eine kleine Artikelserie zum Scheitern des bolschewistischen Sozialismusversuchs zu schreiben, ist dieser Jahrestag ein willkommener Anlass, auf Rosa Luxemburgs Stellung zur russischen Tragödie einzugehen. Die Zeit seit Beginn der Revolution in Russland Anfang 1917 bis zu ihrer Ermordung im Januar 1919 saß sie, mit Ausnahme ihrer zwei letzten Lebensmonate, auf Befehl des Deutschen Oberkommandos im Gefängnis. Obwohl sie aber die stürmische Entwicklung der russischen Revolution nach dem Oktober 1917 nur noch für 14 Monate miterleben konnte und den Umständen entsprechend bloß über unzureichendes Quellenmaterial verfügte, sind ihre Aufzeichnungen aus diesen Tagen das vielleicht weitsichtigste und scharfsinnigste, was zu jener Zeit aus marxistischer Warte zum „Oktoberaufstand“ zu Papier gebracht wurde. Und zwar sowohl was ihren Einblick in Verlauf und Triebkräfte der von ihr gefeierten Revolution angeht, als auch was Ausblick und Warnungen bezüglich der bolschewistischen Revolutionsmaßnahmen betraf. Kernstück ihrer diesbezüglichen Aufzeichnungen ist ein unvollendetes Manuskript, welches posthum unter dem Titel Zur russischen Revolution veröffentlicht wurde und in diesem Artikel einer Würdigung unterzogen werden soll.1

Größere Bekanntheit erlangte eigentlich nur die meist aus dem Zusammenhang genommene Mahnung Rosa Luxemburgs an die Adresse der Bolschewiki – „Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden“ – die ebenfalls aus dem Text Zur russischen Revolution stammt. Anders als von Liberalen und Sozialdemokraten behauptet wird, ist diese Aussage keineswegs als generelle Absage an die Revolution oder jegliche Form revolutionärer Gewaltmaßnahmen gemeint. Es handelt sich bei dieser Aussage aber auch nicht um ein später korrigiertes Missverständnis, oder eine Belanglosigkeit am Rande, wie nach wie vor gerne von Traditionskommunist:innen ins Feld geführt wird. Vielmehr bezog sich ihre schonungslose Kritik auf „Grundfehler der Lenin-Trotzkischen Theorie“. Dabei wehte, verglichen mit späteren Entwicklungen, im Jahr 1918 innerhalb der Bolschewiki noch ein vergleichsweise freiheitlicher Geist. Was Luxemburg erst zum Kadavergehorsam der damals im entstehenden Kommunistischen Internationale gesagt hätte, lässt sich aus ihrer Kritik leicht ableiten. Wer Zur russischen Revolution in Gänze gelesen hat, wird jedenfalls unschwer merken, dass Luxemburg ebenso wenig ins Pantheon der bolschewistischen Heiligen passt wie in die Ahnenreihe des ‚kritischen‘ bürgerlichen Liberalismus.

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Goodbye Kapital

von Guenther Sandleben

Lässt sich revolutionäre Gewaltanwendung als ein Mittel zur Herstellung oder Beförderung menschlicher Freiheit und menschlichem Glück rechtfertigen, fragte einst Herbert Marcuse in seinem Essay „Ethik und Revolution“. Ja, antwortete er, die Revolution ist historisch gerechtfertigt und notwendig, da die bestehende Wirklichkeit, in der wir leben, hinter den realen Möglichkeiten zurückfällt. Diese Kluft hielt Marcuse für berechenbar, indem der tatsächliche Einsatz materieller und geistiger Ressourcen mit alternativen Verwendungs- und Verteilungsweisen verglichen wird.

„Goodbye Kapital“ ist die revolutionäre Antwort auf eine Produktions- und Verteilungsweise, die mittlerweile nicht nur eine Ausweitung von Freiheit und Glück blockiert, sondern verheerende ökonomische, soziale und ökologische Verwerfungen produziert und die Grundlagen menschlicher Existenz untergräbt. Die Autoren Christian Hofmann und Philip Broistedt geben ihrem Buch, das Mitte 2020 im PapyRossa Verlag als Taschenbuch erscheint, den Untertitel: „Die Alternative zu Geld, sozialem Elend und ökologischer Katastrophe “. Dies ist keineswegs eine akademische Angelegenheit. Die Protestwellen ab 2011 haben Geld und Kapital unter verschiedenen Gesichtspunkten heftig kritisiert: Anfangs stand die Kritik an den Finanzmärkten, den Banken und den Fonds im Vordergrund, dann kam die Kritik am Profitsystem, das im Zuge der schweren Wirtschafts- und Finanzkrise von 2008/09 zu Arbeitslosigkeit, Sozial- und Lohnkürzungen und später zu unbezahlbaren Mieten führte, schließlich eroberte die Fridays-for-Future-Bewegung die Straßen und öffentlichen Plätze . Die beiden Autoren analysieren Vorstellungen und Forderungen der Protestbewegung und stellen mit Bezug auf die Geldauffassungen der Protestbewegungen fest: “Insgesamt war die Kritik noch sehr widersprüchlich und teilweise diffus. So ist Kritik an Geld und Banken weit davon entfernt, grundsätzlich progressiv zu sein.“

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